Skulpturenpfad Bad Steben

Das Grafikmuseum initiierte gemeinsam mit der Marktgemeinde einen Skulpturenpfad durch Bad Steben, der kontinuierlich erweitert werden soll. Er umfasst bisher neun Skulpturen von Künstlern aus Deutschland, Bulgarien, Japan und Litauen, die das Stadtbild der Marktgemeinde mit prägen.

Algis Kasparavicius: Gefangenes Blau

Algis Kasparavicius: Gefangenes Blau
Edelstahl / Kunststoff, glasfaserverstärkt, 2007

Der Litauer Algis Kasparavicius presst eine große blaue Kunststoffkugel wie einen aufgeblasenen Globus mit seinen Koordinaten in ein Edelstahlkorsett. Die Kugel bläht und wölbt sich zwischen der Einschnürung, sie quillt und schwillt unter der Kunststoffhaut. Schwere Ketten fixieren den „Erdball“, die „Himmelskugel“, verankern sie fest im Erdreich, halten sie gefangen.

Der Künstler mahnt provozierend:

„Öffne nicht den behütenden Käfig der Konventionen, / zerbrich nicht die Halt gebenden Ketten. / Die Verlockungen der Freiheit sind gefährlich. / Meide das Risiko // Die Wunder der Freiheit wirst Du so nie entdecken.“

Peter Zaumseil: Göpfersdorfer Paar

Peter Zaumseil: Göpfersdorfer Paar
Eiche / mit Kettensäge bearbeitet, 2000

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Peter Zaumseil aus Elsterberg (Thüringen) hat mittels Kettensäge aus einem Eichenstamm ein Liebespaar geformt. Gleich dem Urpaar Adam und Eva treten sie aus der Materie in die Welt und „erkennen“ sich, denn sie sind „aus gleichem Holze“. Als gestreckte Vertikale wachsen die Akte aus dem Stamm. Der Mann hebt die Frau in inniger Umarmung empor. Zaumseil verzichtet weitgehend auf die Modellierung individueller Physiognomien. Grob aufgerissene Schnittstellen schaffen Rhythmik und grafische Struktur. – Der Betrachter ist Zeuge und Voyeur einer innigen Verschmelzung, die zugleich eine recht instabile Situation ist.

Bora Nikolaeva Petkova: Delicate Contact

Bora Nikolaeva Petkova: Delicate Contact (Auf eigenen Füßen stehen)
Aluminium, 2008

Die bulgarische Künstlerin Bora Nikolaeva Petkova biegt, knickt, schneidet und poliert eine kreisförmige Aluminiumscheibe von drei Metern Duchmesser und stellt sie als Objekt, das auf einer weiteren Scheibe montiert ist, schräg in den Raum. Sie nennt die Arbeit „Delicate Con-tact“ und will also besonders auf die „delikate“, empfindliche, zarte und überaus heikle Berührungssituation verweisen, auf das Schwierige einer Beziehung und Verbindung. Und sie meint mit dem Untertitel „Auf eigenen Füßen stehen“ sowohl menschliche als auch gesellschaftliche Kontakte. Auch die zwischen Ost und West, wie sie sich in unserer gegenwärtigen Welt darstellen.

Udo Roedel: Geschütztes Haus

Udo Rödel: Geschütztes Haus
Edelstahl und Granit, 2013

Grenzsteine kennzeichnen Fluren und Staatsgrenzen, regeln Zugehörigkeit und behaupten Besitz. Dem Heimischen vermitteln sie Geborgenheit und Schutz. – Udo Rödel aus Münchberg hat einen Granitstein behauen, dem er zugleich die elementare Form eines Hauses oder eines Kirchturms gibt. Ihn umschließt er symbolisch mit einem Edelstahlgerüst. Er will damit das Eigentum gehegt und geschützt wissen als Ort des Friedens und der Geborgenheit, der Ruhe und der Meditation, aber auch als Schutz- und Trutzburg, die zu widerstehen und zu überdauern vermag. Damit schafft er ein Gleichnis für das Recht auf Heimat und für die Liebe zu seiner oberfränkischen Region.

Klos/Falcke: Trojanisches Pferd

Uwe Klos / Ines Falcke: Trojanisches Pferd
Stahl, 1999

Im Bauch eines hölzernen Pferdes wurden einst Krieger in die Feste Troja geschleust und sie wurde dadurch zur Aufgabe gezwungen. Seither ist das Trojanische Pferd eine Metapher sowohl für Mut als auch für List und Betrug. Uwe Klos und Ines Falke haben ihr Trojanisches Pferd aus verrosteten Schrottteilen zusammengeschweißt. Sie haben die Form auf wesentliche Markierungen beschränkt, der Bauch ist transparent und leer, doch das Hinterteil ist geheimnisvoll verschlossen. So steht das Pferd recht gakelig auf seinen Rädern und ist Warnzeichen: Die „feindliche Übernahme“ scheint zwar missglückt, aber die Gefahr ist noch im Verzuge.

Denkzeichen zur Wiedervereinigung

Maria Vill/David Mannstein: Denkzeichen zu 25 Jahren Wiedervereinigung
Verzinktes Streckmetall, 2015

Die Skulptur ist das Ergebnis eines Kunstwettbewerbs der Marktgemeinde Bad Steben und des Grafikmuseums Stiftung Schreiner. Sie ist Teil des deutschlandweiten Projekts „Wachsendes Denkmal“. In Sichtweite lag einst die deutsch-deutsche Grenze.
Die Skulptur besteht aus verzinktem Streckmetall des einstigen Grenzzauns. Die modernen organischen Umrisse fügen sich in die Landschaft mit den Senkrechten der Bäume und den Waagerechten der Horizontlinien. Spannung besteht zwischen der Härte des Materials und seinen scharfen Kanten zur weichen, abgerundeten Silhouette. Trotz des historisch belasteten Werkstoffs ist die Form fragil und leicht und ermöglicht Durchblicke und Ausblicke, ohne dass das Vergangene und die Widernatur des Grenzzauns aus dem Blick gerät. Als Ort der Begegnung und Erinnerung soll die Skulptur dazu einladen, sich niederzulassen und der deutsch-deutschen Vergangenheit zu gedenken. Die Kronen der drei gepflanzten Bäume mögen zusammenwachsen wie Ost und West.

Udo Roedel

Udo Rödel: Behütet, Bestrebt, Bewahrt
Holz/Stahl, 1997-2002

Udo Rödel sammelt Bruchstücke aus Holz und Stein. Aus solchem Zufallsreservoir schöpft er sein Formenrepertoire. Er fühlt sich als Spurensucher und -Sicherer, der dem Vergessen und der Bedeutungslosigkeit entgegenwirken möchte. Die wiederverwendeten Materialien seiner drei Skulpturen „Behütet“, „Bestrebt“ und „Bewahrt“ sollen verantwortungsvollen Umgang mit der Regionalgeschichte symbolisieren. Er umschließt wuchtige Holzblöcke mit schlanken Stahlgerüsten und macht sie zu Häusern oder Kirchtürmen, wie auch bei seiner Skulptur „Geschütztes Haus“ (Nr. 4). Das bemalte Fichtenholz wird sich über die Jahre verändern und die Skulpturen werden derart Vergänglichkeit aufzeigen.

Skulptur von Kunihiko Kato

Kunihiko Kato: Lebewesen – Die wachsende Form
Granit, 2002

Für den japanischen Bildhauer Kunihiko Kato, der viele Jahrzehnte in Fürth gelebt hat, ist die Natur wesentliche Inspirationsquelle. Er hat sein Generalthema in ihr gefunden, spürt ihren Lebensprinzipien nach und wandelt sie zu klarer Ästhetik. Damit stilisiert er die gewachsene Natur zur Kunstform. Die Granitsäule „Lebewesen“ assoziiert eine Schote oder Samenkapsel, die der Künstler zu vereinfachter Konstruktion monumentalisiert. Die monolithische Säule gibt ihr abstrahiertes, versteinertes Naturvorbild bewusst preis. Der Granit wurde aufwendig zu einer glatten, reflektierenden Oberfläche poliert. Der Künstler hofft, mittels seiner Skulpturen zur geistigen Harmonisierung von Natur und Betrachter beizutragen.

Bad-Steben Ortsplankarte A3-Flyer.indd

1   Algis Kasparavicius: Gefangenes Blau
2   Peter Zaumseil: Göpfersdorfer Paar
3   Bora Nikolaeva Petkova: Delicate Contact
4   Udo Rödel: Geschütztes Haus
5   Uwe Klos / Ines Falcke: Trojanisches Pferd
6   Unbekannt: Trojanisches Pferd
7   Maria Vill / David Mannstein: Denkzeichen zu 25 Jahren Wiedervereinigung
8  Udo Rödel: Behütet, Bestrebt, Bewahrt
9  Kunihiko Kato: Lebewesen – Die wachsende Form