»Draußen«

Franca Bartholomäi · Christine Ebersbach · Sara Möbius

09.11.2020 – 07.02.2021

Hochlandstraße, Christine Ebersbach, Farbholzschnitt, 2015
Christine Ebersbach · Hochlandstraße · Farbholzschnitt
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

»Draußen«. Aus einem eigentlich kleinen einfachen Wort wird im Jahr 2020, geprägt durch den Ausbruch vom Corona Virus und damit einhergehenden Auflagen und Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben, ein aktuelles und brisantes Thema.

Vermutlich hätte man vor nicht allzu langer Zeit das Wort »draußen« noch rein positiv assoziiert. Es sei denn man findet sich ausgesperrt vor der eigenen Haustür wieder. Dies wäre vermutlich die große Ausnahme gewesen. Je nach Gefühlslage und Situation variiert die Bedeutung jedoch erheblich. Das lässt sich wunderbar an dem Ausspruch »ich bin draußen« veranschaulichen.

Befragt man Kinder, junge oder generell aktive Menschen und erhält die Antwort: »Ich bin draußen!«, ist man doch irgendwie beruhigt. Man weiß, der Antwortende verbringt seine Zeit draußen. Heißt: an der frischen Luft, spielend oder sporttreibend, spazierend, schlendernd, suchend nach Ruhe in der Natur oder Kontakten an öffentlichen Plätzen. In jedem Fall gilt die Zeit draußen, als wichtiger Punkt in der heute so schön formulierten »Work-Life-Balance«. Draußen bedeutet eben nicht drinnen, nicht in der muffigen Wohnung, dem oft mit stress assoziierten Arbeitsplatz. Es bedeutet oft schlicht Abwechslung und Ablenkung vom durch strukturierten Alltag. Denn draußen kann man oft noch etwas erleben. Es warten Überraschungen und ungeplante Eindrücke.

»Ich bin draußen…« hat aber auch noch eine ganz andere Bedeutung. Es beschreibt eine Gefühlslage und wird in einem völlig anderen Kontext verwendet: ich komme nicht mit (im wörtlichen und übertragenen Sinne). Diese Gefühlslage kann hervorgerufen werden, weil man sich nicht dazu gehörig fühlt, ausgeschlossen vom Rest oder von sich selbst. Insbesondere in einer Gesellschaft, in der zu oft in Schubladen und festgelegten Kategorien gedacht wird. Establishment und Untergrund, Jung und Alt, hübsch und hässlich, alles gleichgestellt mit vermarktbar, vertretbar oder schlicht nicht annehmbar. In jedem Fall drängen sich, so man sich nicht zu dem einen oder anderen zählt, Fragen auf. Was tun? Mitlaufen oder ehrlicherweise zugeben nicht »dabei« zu sein? Dann »draußen» zu sein bedeutet auch Flucht, oder lang gesuchte Unabhängigkeit.

Die Ausstellung lädt den Betrachter dazu ein über all dies nachzudenken. Mit der Freiheit sich sein eigenes Urteil zu bilden und abzutauchen. In das »Draußen« der Natur bei Sara Möbius, das »Draußen« menschenleerer Umwelt in den Werken von Christine Ebersbach und das »Draußen« der eigenen Gedanken in den Werken Franca Bartholomäis.