Reiner Schwarz aus Hirschberg in Niederschlesien (heute Polen) ist einer der wichtigsten Vertreter des ›Kritischen Realismus‹ in Deutschland. Über mittlerweile sechs Jahrzehnte hat der seit dem Studium bei Mac Zimmermann in Berlin wirkende Zeichner und Grafiker (namentlich Lithografie) ein beeindruckend konsequentes und im Kunstbetrieb selten wahrhaftiges Œuvre geschaffen. Bemerkenswert ist die hohe künstlerische Qualität, die aus der Präzision einer in zeichnerischer Akribie und inhaltlicher Dichte subtil erfassten Wirklichkeit und der handwerklichen Perfektion im technisch aufwändigen vielfarbigen Eigendruck spricht. Motivisch konzentriert er sich hierbei auf die bei ihm stets Existentielles berührende Figur wie auch die eher unscheinbaren, rasch übersehenen Objekte der materiellen Kultur. Indem er diese sur-real anmutenden Welten in der Spiegelung ihrer Essenz einem neuen Sinn öffnet, wobei er nicht selten mit Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn, Caspar David Friedrich, Pablo Picasso oder Andy Warhol die Kunstgeschichte zitiert, schärft er nachhaltig unser Bewusstsein und Auge für das leise ›Dazwischen‹.
Die aktuelle Schau des Grafikmuseum Stiftung Schreiner würdigt Schwarz‘ Schaffen als wichtigen Beitrag zur Gegenwartskunst, dessen lithografisches Werk es monografisch sammelt. Dieses durch wiederholte Schenkungen des Künstlers und einer deutschen Privatsammlung besondere Konvolut besticht durch seltene An-, Probe- und Zustandsdrucke sowie gesuchte Künstlerexemplare und Varianten auf unterschiedlich farbigen Papieren und zusätzliche 21 Druckformen (d.i. ein Lithostein und weitere Aluminiumplatten). Hiermit bietet es nicht bloß einen konzentrierten Einblick, sondern zugleich einen umfassenden Überblick in dessen einzigartiges Werk. Ist es doch die weltweit größte, dichteste und auch qualitätsvollste Bestandsgruppe zu Reiner Schwarz in öffentlichem Besitz.
Dr. Tobias Ertel