5. August 2026

Spiegelungen. Reiner Schwarz. Lithografien (1962–2015)

Reiner Schwarz aus Hirschberg in Niederschlesien (heute Polen) ist einer der wichtigsten Vertreter des ›Kritischen Realismus‹ in Deutschland. Über mittlerweile sechs Jahrzehnte hat der seit dem Studium bei Mac Zimmermann in Berlin wirkende Zeichner und Grafiker (namentlich Lithografie) ein beeindruckend konsequentes und im Kunstbetrieb selten wahrhaftiges Œuvre geschaffen. Bemerkenswert ist die hohe künstlerische Qualität, die aus der Präzision einer in zeichnerischer Akribie und inhaltlicher Dichte subtil erfassten Wirklichkeit und der handwerklichen Perfektion im technisch aufwändigen vielfarbigen Eigendruck spricht. Motivisch konzentriert er sich hierbei auf die bei ihm stets Existentielles berührende Figur wie auch die eher unscheinbaren, rasch übersehenen Objekte der materiellen Kultur. Indem er diese sur-real anmutenden Welten in der Spiegelung ihrer Essenz einem neuen Sinn öffnet, wobei er nicht selten mit Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn, Caspar David Friedrich, Pablo Picasso oder Andy Warhol die Kunstgeschichte zitiert, schärft er nachhaltig unser Bewusstsein und Auge für das leise ›Dazwischen‹.
Die aktuelle Schau des Grafikmuseum Stiftung Schreiner würdigt Schwarz‘ Schaffen als wichtigen Beitrag zur Gegenwartskunst, dessen lithografisches Werk es monografisch sammelt. Dieses durch wiederholte Schenkungen des Künstlers und einer deutschen Privatsammlung besondere Konvolut besticht durch seltene An-, Probe- und Zustandsdrucke sowie gesuchte Künstlerexemplare und Varianten auf unterschiedlich farbigen Papieren und zusätzliche 21 Druckformen (d.i. ein Lithostein und weitere Aluminiumplatten). Hiermit bietet es nicht bloß einen konzentrierten Einblick, sondern zugleich einen umfassenden Überblick in dessen einzigartiges Werk. Ist es doch die weltweit größte, dichteste und auch qualitätsvollste Bestandsgruppe zu Reiner Schwarz in öffentlichem Besitz.

Dr. Tobias Ertel

6. Juli 2026

DIE LUST DES MONDES IN DER EINHEIZ NACHT. Horst Peter Meyer. Blätter

Seit 2022 lobt das Grafikmuseum Stiftung Schreiner den von Stefanie Barbara Schreiner (* 1947) initiierten
und privat gestifteten „Wolfgang Schreiner-Stiftungspreis für Druckgrafik“ aus. Dieser Förderpreis wird im Zweijahresturnus im Rahmen der als Biennale konzipierten Schau unseres Kooperationspartners Leipziger Grafikbörse e. V. für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Druckgrafik verliehen. Anschließend wird dem Preisträger eine umfangreiche Ausstellung in Bad Steben ausgerichtet. Erinnert werden soll hiermit an Dr. Wolfgang Karl Schreiner (1930–2015), der sich als Sammler und Museumsgründer besondere Verdienste um die Grafik erworben hat. Prämiert wurde die Kaltnadel END SPIEL IM ABSCHIEDS RAUM (2023) von Horst Peter Meyer (* 1947) aus Weimar in Thüringen, der an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte und hier auch Meisterschüler von Paul Michaelis (1914–2005) war. Sein in über sechs Jahrzehnten gewachsenes OEuvre ist eine der wichtigsten Stimmen in der Gegenwartskunst Mitteldeutschlands. Meyers Schaffen kreist um den Menschen, der in einer sich auflösenden Welt als von Krisen, Brüchen und Nöten gezeichnete Existenz auftritt. Zugleich setzt er mit Ironie und Humor ein unübersehbares Zeichen der Humanität, das uns dennoch hoffen lässt. Subtil loten Bild und Sprache hierbei alte und neue Wirklichkeiten aus. Erstmals zeigen wir eine konzise Auswahl der in den Drucktechniken Kaltnadel (inklusive Radierung mit Aquatinta), Holzschnitt und Linolschnitt sowie Lithografie entstandenen Werke vom intimen bis zum monumentalen Format. Obwohl Horst Peter Meyers Kunst schon vielfach gewürdigt wurde, ist eine solche Zusammenschau längst überfällig.

Dr. Tobias Ertel

30. August 2025

SPIEL-RÄUME. 38. LEIPZIGER GRAFIKBÖRSE

„Spiel-Räume“ – so lautet das Thema der 38. Leipziger Grafikbörse.
Die vom 2. Februar bis 6. April 2025 stattfindende Ausstellung im
Grafikmuseum Stiftung Schreiner präsentiert zeitgenössische Grafiken in diversen Techniken und Formaten. Die Einreichungen der 87 KünstlerInnen aus Deutschland, Frankreich, der Ukraine und den Niederlanden greifen das Thema auf ganz unterschiedliche Weise auf: Es sind physische „Spiel-Räume“ zu entdecken, die Spielsachen, Spielplätze, Landschaften oder einfach nur Räume zeigen. Das Thema hält aber auch in metaphorischer Hinsicht Einzug, wenn das Papier zum „Spiel-Raum“ wird, auf dem ein Möglichkeitsraum für die Kunstschaffenden entsteht. So zeigen die ausgestellten Arbeiten viele grafische Assoziationen zum Thema.

Dr. Tobias Ertel

12. November 2025

Hans Brockhage. Drucke, Druckstöcke + Skulpturen

Über Jahrzehnte schafft der Gestalter, Bildhauer und Grafiker Hans Brockhage (1925–2009) in Schwarzenberg/Erzgebirge ein beeindruckend singuläres Werk von hoher Funktionalität, Einfachheit und stiller Größe. Erstmals stellt das Grafikmuseum Stiftung Schreiner – in Kooperation mit dem ATELIER HANS BROCKHAGE e.V. (i.G.) Schwarzenberg OT Bermsgrün und dem Nachlass Hans Brockhage – hieraus die monumentalen im Hochdruckverfahren entstandenen Grafiken des Künstlers vor. Seine Holzschnitte sind zumeist exklusiv von Hand in Kleinstauflagen abgezogen. Es sind Idole, Stelen, Monolithe von höchstem Symbolwert durch äußerste Reduktion auf elementare Urformen. Durch Konzentration auf die Struktur des natürlichen Werkstoffs Holz und die unendliche Weite der schwarzen Druckfarbe eignet den Blättern eine geradezu auratische Präsenz. Flankiert werden diese auf dem Papier zu ikonischen Chiffren geronnenen Zeichen, die bisweilen von realen Objekten der äußeren Dingwelt (d.i. Fundstücke) inspiriert sind, von den Druckstöcken und einer konzisen Auswahl an Skulpturen des Künstlers. Bislang war eine solche Zusammenschau nicht zu sehen und ist daher – zum 100. Geburtstag Hans Brockhages im Jahre 2025 – wahrlich eine mehr als überfällige Entdeckung, die sein druckgrafisches Schaffen als wichtigen Beitrag zur Gegenwartskunst würdigt.

Dr. Tobias Ertel