22. November 2022

Blickwechsel – Grafik aus Osteuropa und Ostdeutschland

Kunst ist für eine Gesellschaft von immenser Bedeutung, da sie den Horizont weitet und mit ihren Sprachformen als Mittlerin über tiefe Gräben hinweg Verständnis und gegenseitigen Respekt zwischen Menschen, Kulturen und Nationen fördert.

Was einst als Leitbild des von Stefanie Barbara und Dr. Wolfgang Schreiner initiierten Grafikmuseums Stiftung Schreiner Bad Steben formuliert wurde, ist am Beginn einer Zeitenwende infolge einer globalen Pandemie ungeahnten Ausmaßes und des aktuellen Krieges in Europa von höchster Brisanz. Zugleich markiert es das Motto der Ausstellung »Blickwechsel. Grafik aus Osteuropa und Ostdeutschland«, mit der unser Haus nach der über zwei Jahre währenden Schließzeit endlich wieder starten kann. Präsentiert werden künstlerische Ausdrucksweisen und individuelle Bildsprachen, die sich zwischen Figuration und Abstraktion entfalten. Indem die Werke zur bewussten Auseinandersetzung mit eigenen Sehgewohnheiten und anderen Sichtweisen herausfordern, schärfen sie Wahrnehmung und Blick für das noch Unbekannte und Fremde. Mit ihren Köpfen, phantastisch-narrativen Szenen, Akten und Landschaften oder auch reinen Formgebilden laden Künstler wie Dimitri Spiridonowitsch Bisti und Nadeshda Devischewa (beide Ukraine), Dimo Kolibarov (Bulgarien), Zoya Lucevich (Belarus), Adelheid Eichhorn, Klaus Roenspieß oder Hans Scheib u.v.m. zum Dialog und Nachdenken ein. Hierdurch eröffnet sich dem Besucher eine aufregend neue Perspektive auf diese in Deutschland einzigartige Spezialsammlung.

Dr. Tobias Ertel

22. November 2022

Standpunkte – Grafik aus Niederbayern

Fünf unterschiedliche Künstler einer Region, fünf kritische Positionen der Gegenwart unter einem Motto: Standpunkte. Künstler aus Niederbayern.

Die von Sigrun C. M. Leyerseder (Galeristin Hauzenberg) und Stefanie Barbara Schreiner konzipierte Ausstellung führt rund 90 Werke der klassischen Bildkünste Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und Skulptur von Wolfgang Josef Brehm (Jahrgang 1948), Mario Schoßer (1953), Michael Grossmann (1965), Patricia Kaiser (1976) und Philipp Stähle (1982) zusammen. Sie berühren ewige Menschheitsfragen wie Kreislauf und Sinn des Lebens, Traumgebilde, Schöpferkraft und Ästhetik und nehmen seismographisch aktuelle Krisen, Probleme und Verwerfungen wie Umweltzerstörung, Klimawandel, die globale COVID-19-Virus-Pandemie oder kriegerische Auseinandersetzungen auf. Indem sie hierzu offen Stellung beziehen, machen sie bewusst, rütteln wach und bringen uns zum Nachdenken. Eröffnen ihre ›Standpunkte‹ doch eine neue Perspektive, um einmal vom anderen Ende her zu denken und auch entsprechend zu handeln. Denn Kunst wirkt als zentrales Korrektiv einer Gesellschaft, aus deren Mitte sie entspringt und auf die sie stets unmittelbar bezogen ist.

Dies bringt Friedrich Hölderlins Gedicht »Andenken« (1803) auf eine sinnige Formel: »Was bleibet aber, stiften die Künstler

Dr. Tobias Ertel

21. November 2022

Paradise Lost – Barbara Kasperczyk

Erstmals in Deutschland stellen wir die deutsch-polnische Künstlerin Barbara Kasperczyk (* 1976) vor, deren zwischen klassischen und neuen Bildmedien oszillierendes Schaffen sich auf den einzelnen, in der anonymen Masse verschwindenden ›Menschen‹ konzentriert. Höhe- und zugleich Mittelpunkt der Schau ist die bislang nicht abgeschlossene Grafikserie Paradise Lost mit der raumgreifenden und im Programm variablen Installation Archē terra nostra (2021/2022). Den mithilfe von Unschärfen verfremdeten und durch Kolorit wie aufgeklebte Spiegelfolien überaus verlebendigten Druckwerken eignet eine besondere Gestimmtheit und vollkommen neue Ästhetik. Entfalten sie doch im bewussten Rekurs auf das im Umriss nicht selten verformte Trägermedium ihre ganz eigene visuelle Kraft. Als Zeugen eines scheinbar unverlierbaren Paradieses wird hierbei den flüchtigen Assoziationen des Lebens schließlich dauerhaft Präsenz verliehen.

Dr. Tobias Ertel

2. May 2022

Das Magische im Realen

Kunst, vor allem grafische Arbeiten unterschiedlicher Ausprägung, spannende Ausstellungen der verschiedensten Zusammenhänge sind in 27 Jahren im Grafikmuseum Stiftung Schreiner gezeigt worden, wieviel Magie kann von einer solchen Ausstellung ausgehen? Es ist keine Retrospektive der Sammlung, sondern eine gefühlsmäßige Auswahl von Grafiken und wenigen Gemälden, die die starken Augenblicke dieser 27 Jahre für die Entwicklung und den Bestand des Museums bezeugen. Die Auswahl unvollkommen in der Anzahl der Kunstwerke und der beteiligten Künstler ist keine Bilanz, sondern ein Augenblick des Erinnerns, der Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern, aber auch der unterschiedlichen Mitarbeit starker Persönlichkeiten. Auf Grund der Umstände, in denen die Zeit stillstand, beim Zurückschauen auf die Entwicklung dieser Sammlung bis hin zu den Bildern der letzten Ausstellungen führt der Weg dennoch in die Zukunft. Kunst findet ihre Bedeutung in der subjektiven Vorstellung dessen, der sich ihr zuwendet – das unterscheidet sie von der Realität der Lebensnotwendigen Dinge. Sie hat ihren eigenen Ausdruck, weil nur die Kunst vom Gesetz der Realität freigesprochen ist.

Stefanie Barbara Schreiner