18. Oktober 2018
Raymond Waydelich

Grafik aus Frankreich – Die Edition Bucciali

Die Künstler: Michel Braun, Pierre-Marie Brisson, Alma Bucciali, Jacques Clauzel, Michel Cornu, Gaël Davrinche, Patrick Loste, Ann Loubert, Mitsuo Shiraishi, Tony Soulié und Raymond Émile Waydelich

Die Ausstellung zur französischen Grafik entstand in Zusammenarbeit mit der Edition Bucciali und sie zeigt verschiedene Positionen zeitgenössischer französischer Aquatinta-Drucke. Sie alle fanden ihre Umsetzung in der Druckwerkstatt Rémy Bucciallis in Colmar. Der erfahrene Kupferdrucker hat in vierzig Jahren bereits für achtzig Künstler gearbeitet und er betreibt auch eine Galerie, in der er deren Werke international vertritt.
Besonders die Technik der Aquatinta beherrscht er meisterlich. Dieses Flachdruckverfahren ermöglicht ein oft malerisches Spiel mit Halbtönen und Farbflächen.
Neun Künstler und zwei Künstlerinnen aus Frankreich, vor allem aus dem Osten Frankreichs, sind in unserer Ausstellung mit ihren Grafiken vertreten. Nicht alle sind in Frankreich geboren, doch haben sie längst dort ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt gefunden. Sie gehören unterschiedlichen Generationen an: Die jüngste Künstlerin ist noch keine dreißig, der älteste bereits über achtzig Jahre alt. Dazwischen also mindestens zwei Künstlergenerationen. Einige arbeiten ausschließlich als Grafiker, andere wirken auch als Maler, Bildhauer und Aktionskünstler. Die Ausstellung vereint daher ganz unterschiedliche Temperamente, Handschriften, Stile und Themen. Expressiv gezeichnete Köpfe, fantasievolle Fabelwesen und witzig-skurrile Tierporträts, unberührte Natur und zergliederte Landschaften sind ebenso vertreten wie surreal anmutende Stillleben oder abstrakte, konstruktive Farbfelder und gestische Linienbündel des Informel.

Dr. Linn Kroneck

17. Juli 2018
Alfred Hrdlicka

Alfred Hrdlicka – Frühe Grafiken

Der österreichische Künstler Alfred Hrdlicka (1928-2009) gilt mit seinen Werken als streitbarer und politisch engagierter Künstler. Der Bildhauer, Maler und Grafiker, der an der Akademie in Wien studiert hat und später selbst Professuren in Berlin, Hamburg, Stuttgart und Wien inne hatte, wurde sowohl aufgrund seiner Kindheit und Jugend vor und während des Zweiten Weltkrieges als auch durch den väterlichen Einfluss schon früh für politische Fragen sensibilisiert. So ist sein Werk auf vielfältige Weise von der Auseinandersetzung mit den Themen Krieg, Gewalt und Faschismus durchzogen. Doch auch biblischen und mythologischen Themen sowie Szenen aus dem Alltag widmete er sich ausgiebig.

Die Bad Stebener Hrdlicka-Ausstellung „Frühe Grafiken“ bietet die Möglichkeit, ein einzigartiges Konvolut von Hrdlickas Grafiken zu entdecken. Sein grafisches Werk ist von enormem Umfang. Vor allem der Radierung widmete er sich intensiv. Im zeitlich gespannten Bogen von seinem frühen Schaffen der 1940er und 1950er Jahre bis zu den Arbeiten von 1989 ist es in der Ausstellung möglich, in die Bildwelt des Künstlers einzutauchen. Die präsentierten Arbeiten, darunter so bekannte Werke aus den Zyklen „Wiedertäufer“, „Martha Beck“ und „Tausendundeine Nacht“, geben einen spannungsreichen Einblick in Hrdlickas Schaffen und belegen seine künstlerische und thematische Vielfalt.

Dr. Katharina Heider

18. April 2018
Botond: aus der Serie Schlaf

Botond und Elke Hopfe – Kopfstücke

Botonds und Elke Hopfes Kunst-Thema ist der Kopf des Menschen als Zentrale alles Denkens und Trachtens. Er ist der Sitz der Persönlichkeit. Ist Botond vor allem am Schädel als Schale interessiert, so fasziniert Elke Hopfe das Gesicht als Bereich der Seele. Beide ergründen mit ihren „Kopfstücken“ emotionale Seins-Zustände.
„Kopfstücke“, der Titel der Ausstellung, abgeleitet von kunstwissenschaftlichen Termini wie Schulterstück, Bruststück oder Kniestück, signalisiert als Wortschöpfung pars pro toto, dass sie nicht Teile sein wollen, sondern jeweils für den ganzen Menschen stehen.

Botond (1949-2010) arbeitet seriell in thematisch gegliederten Werkgruppen. Seine große handwerkliche Experimentierfreudigkeit führt zur Nutzung besonderer Materialien wie Lkw-Planen und Kunststofffolien, die er etwa in der Serie „Säcke“ zu verschmitzt grinsenden Köpfen formt. Seinen „Schlafenden“ sind die Gesichtszüge längst entglitten und er deformiert das Köpfearsenal, krümmt und windet die Formen schmerzhaft mittels wilder Torsionen oder bettet die Köpfe sanft zu erholsam-entspanntem Schlummer.

Elke Hopfe (*1945) ist auf Porträtzeichnung aus. Hier nutzt sie souverän die Frei- und Spielräume charakterisierender künstlerischer Möglichkeiten. Landläufige Schönheit ist ihr kein Thema. In ihren Zeichnungen schürft sie tiefgründig in den psychischen Schichten ihrer Vis-á-vis, arbeitet sich in deren Gesichter hinein und entblößt Empfindungen und Emotionen. Hintersinnige Seelenlandschaften entstehen, die zu Charakterzeichen für Menschenwesen werden.

Dr. Linn Kroneck

18. Januar 2018

Rolf Kuhrt – Charakterbilder

Man betritt das dem Auge gefällige Gebäude des Bad Stebener Grafikmuseums, was wohl erwartend? Man, Goethen zu zitieren, „erwartet sich ein Fest“, das Fest einer zutunlichen Bilderwelt. Kunst will ja doch eines sein: anmutig. Professor Rolf Kuhrt aber mutet uns Kunst zu:
Wir haben auf Schmerzliches gefasst zu sein angesichts von Skulpturen, aus widerstrebendem Holz herausgeschlagen, von Holzschnitten, mit dem Messer ins Material hineingewühlt, oder von Zeichnungen, mit düsterer Kohle aufgetragen. Durchaus will der Mann, dass es uns kalt den Rücken hinunterrieselt.

Bestimmt ihn Persönliches? Gewiss. Gewisser ist, dass er, der unikale Warner, die Welt in einem Zustand sieht, von dem man Zustände kriegen kann. Wir Menschheitsgemeinde – wie wir uns doch an der Umwelt vergehen, wie wir die Drittwelt ruinieren, wie wir unsere Nachwelt infrage stellen.

Was Wunder, dass Kuhrt sein ganzes Augenmerk auf die Figur des Menschen richtet: Ihm gewinnt er jene Würde ab, die sich mannigfach bedroht weiß. Ja, vom Gegenständlichen lässt der Meister – zunächst lernend und hernach lehrend an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, jetzt in bedeutender Nähe zu Barlachs Werkhaus bei Güstrow in Mecklenburg siedelnd – keineswegs.

Wie gut, den mittlerweile Achtzigjährigen seine Kelter treten zu sehen, ohne dass er offenbar an kreativem Drang einbüßte.

Peter Gosse